Sie sind hier: Presse > Archiv

Pressemitteilungen (Archiv)

Samstag, 14. November 2009: VERLIEBT IN DIE HEIMAT

Liebe Hausfrauen und liebe Hausmänner, mittlerweile kenn ich Eure Fragen! Nein, es ist kein Öl, sondern Stoffarbe. 2. Nein! Die Flecken bekommt Ihr auch mit weißer Riese nicht mehr raus! 3. Ja! Ich habe jedes Shirt einzeln mit meinen Händen eingesaut.“ Dieser Text prangt auf einer weißen Tüte im Schaufenster von „The Art of Hamburg“ in der Ditmar-Koel-Straße, unten an den Landungsbrücken. Daneben steht ein kleiner Monitor. Auf dem ist gerade zu sehen, wie mit schwarzer Farbe beschmierte Hände die Schulterpartien eines weißen T-Shirts wringen. „Maschinist“ steht auf dem Shirt. Die Hände gehören Frank Bürmann. Der Künstler hat die Kollektion eigentlich für die Maschinisten des Dampfschiffs St. Georg entwickelt. Nun kann sie jeder kaufen. Sogar Babystrampler für „geborene“ Maschinisten“ gibt es. Und jedes Teil ist ein Unikat, da von Künstlerhand „eingesaut“, wie Bürmann seine grobe Technik gern nennt. Dann nimmt der 45-Jährige einen großen Schraubenschlüssel. Streicht mit einer Malerrolle schwarze Stoffarbe drüber und stempelt mit dem Werkzeug das T-Shirt. „Ich besitze die weltgrößte Schraubenschlüsselsammlung“, sagt er. Was nun zuerst da war, die Idee oder die Sammlung, verrät er nicht.

 

Sogar „Robbie Williams hat ein ´Maschinisten`- Shirt“. Der Popstar sei aber nicht selbst in seinen Shop gekommen. Seine Crew hatte gekauft. Hugo Egon Balder und Helge Schneider waren dagegen höchstpersönlich vor Ort. Und auch manch Bundestagsabgeordneter soll hier schon Gastgeschenke käuflich erworben haben.

 

Alles in dem Laden ist weiß getüncht, die Einrichtung von Bürmann selbst gezimmert, aus Elbtreibholz oder alten Stühlen und Schränken. In den Auslagen liegen Kissen, Gemälde, Taschen, T-Shirts, Jacken, Strampler und vieles mehr...alles bedruckt und bemalt mit Schiffen, Fischen, Ankern, Tiefgangskala, Hammaburg-Hauptsache maritim. „Jedes Teil ein handgefertigtes Unikat“ betont Bürmann. Immer wieder entstehen neue Kollektionen. Die jüngste heißt „100% Seemannsgarn“. Mit seinen selbst geschnitzten überdimensionalen Holzstempeln und dem von ihm erfundenen „Unikateur“ produziert er sein einzigartiges Design. Denn diese gigantische Holzdruckmaschine arbeitet so, dass kein Teil dem anderen gleicht.

 

Design, Herstellung, Marketing und Vertrieb der Sachen kommen aus einer Hand. Genau genommen aus vier Händen. Denn Bürmann betreibt „The Art of Hamburg“ gemeinsam mit Designerin Jutta von Perfall, 46. Wie es zur gemeinsamen Arbeit kam? „Jutta hat mich gezwungen“, sagt Bürmann lachend. Eigentlich hatten beide Lust auf was Neues. Jahrelang hatte Jutta von Perfall als Artdirektorin in verschiedenen Werbeagenturen gearbeitet, bevor sie vor drei Jahren mit Frank Bürmann „das klitzekleine Kaufhaus der Künstler“ eröffnete.

 

Das Logo für ihr kleines Unternehmen entstand schon 2003, als Bürmann für die Stiftung „Lebendiger Jungfernstieg“ drei Poster entwarf. Auf einem tauchte das „Hamburg-Schiffchen“ zum ersten Mal auf. Drei Jahre später wurde es zum Markenzeichen für das neu gegründete Unternehmen. Es zierte die erste Kollektion und steht als Logo für „The Art of Hamburg“. Oft entstehen die Motive für die Kollektionen zunächst in Bürmanns Malereien. Später überträgt er sie von der Leinwand auf die Produkte.

 

Auch Jutta von Perfall lebt ihre Kreativität aus, schnappt sich ihre Kamera, um „Hafenaugenblicke“ einzufangen. Meistens treibt es sie auf verlassene Industriebrachen hinaus. Manchmal ist sie dann so im Detail, zum Beispiel einer rostigen Schraube, versunken, „dann merke ich erst bei der Auswahl der Bilder, wo ich eigentlich war...“.

 

Zu jeder Kollektion kann Bürmann eine Geschichte erzählen. „Compliment Fishing Company“ sei durch einen Sturz in ein Goldfischglas inspiriert, heißt es auf der Internetseite. Angeblich habe Bürmann eine Reihe von drei, fünf und neuen Meter langen Hechten und Sprotten aus der Elbe gefischt. Die ausgestopften Prachtstücke stellte er in einer Hamburger Galerie zur Schau. Bei näherem Hinsehen und genauem Abwägen, was nun Seemannsgarn ist, zeigt sich, die Fische waren von je her aus Stoff.